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Gläubige Muslime verzichten derzeit von morgens bis abends auf Essen und Trinken. Sinem Yüksel vom Kreisjugendring Esslingen gibt Tipps rund um das Fasten – auch für Nicht-Muslime.
Der Ramadan ist im Islam die wichtigste Zeit des Jahres. Während des heiligen Monats üben sich gläubige Musliminnen und Muslime jeden Tag von morgens bis abends in Enthaltsamkeit. Auch Sinem Yüksel vom Esslinger Kreisjugendring und der Esslinger Antidiskrimierungsstelle fastet derzeit. Hier beantwortet sie die wichtigsten Fragen rund um den religiösen Brauch.
Der Ramadan endet in diesem Jahr am Sonntag, 30. März, mit dem sogenannten Zuckerfest.Die tägliche Fastenzeit beginnt mit der Morgendämmerung und endet mit dem Sonnenuntergang. Dazwischen verzichten Gläubige neben Geschlechtsverkehr auch auf Essen und Trinken. Das ist nicht per se schädlich und kann sogar positive gesundheitliche Effekte haben. Dennoch sollten Menschen, die während des Ramadans fasten, Yüksel zufolge gut auf sich achten. Sie empfiehlt, sich den Tag über ausreichend Pausen zu nehmen. „Ich selber lege mich während dieser Zeit öfters für ein paar Minuten hin oder lese etwas“, sagt die 32-Jährige.
Außerdem rät sie, beim Frühstück zuckerhaltige Lebensmittel wegzulassen. Die letzte Mahlzeit vor der täglichen Enthaltsamkeit nennt sich „Sahur“. Wer sich hier ballaststoffreich ernähre, bleibe länger satt, sagt Yüksel. Gut geeignet seien Haferflocken, Obst, Nüsse oder Quark.
Grundsätzlich müssen muslimische Kinder während des Ramadans nicht fasten. Dies gilt auch für Menschen, die aufgrund von Alterserscheinungen oder aus gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage sind. Dazu gehören Reisende, Schwangere, stillende Frauen und Frauen während ihrer Menstruation.
Dennoch fangen einige Kinder schon im jungen Alter an, sich an die Tradition heranzutasten. „Viele fasten zunächst einen halben Tag, zum Beispiel vom Frühstück bis zum Mittag oder von mittags bis abends“, erzählt Yüksel. Um Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, hat die Stadt Esslingen eine Orientierungshilfe für Bildungseinrichtungen verfasst. Sie enthält Tipps, wie sich der Schulkalender anpassen lässt oder wie Lehrerinnen und Lehrer über das Thema sprechen können.
Yüksel appelliert an Nicht-Muslime, sensibel mit den Fastenden umzugehen. So sei es hilfreich, ihnen kurze Erholungspausen im Alltag zuzugestehen. Problematisch sieht sie hingegen Fragen mit vorwurfsvollem Unterton. Etwa, ob man denn nicht zumindest etwas Wasser trinken dürfe. „Das steht für uns gar nicht zur Debatte“, sagt Yüksel. „Wir dürfen es nicht und machen es nicht.“
Stattdessen könne man Musliminnen und Muslime fragen, wie es ihnen während des Fastens gehe. Treffen zum gemeinsamen Fastenbrechen eignen sich laut Yüksel gut dazu, etwas über das Thema zu lernen. Sie sagt: „Am wichtigsten ist für mich, dass man offen gegenüber anderen Kulturen ist.“ Das gelte in alle Richtungen: „Musliminnen und Muslime sollten genauso Respekt gegenüber dem Fasten von Christinnen und Christen zeigen.“
Welche Bedeutung hat das gemeinsame Fastenbrechen?
Das Mahl, das Gläubige jeden Tag nach Sonnenuntergang einnehmen, trägt den Namen„Iftar“. Häufig findet das Fastenbrechen in der Gruppe statt. Gemeinsame „Iftar“-Treffen an öffentlichen Orten fördern Yüksel zufolge die soziale Teilhabe. „Essen verbindet“, sagt die Esslingerin. Zu teilen, was man hat, sei ein wichtiger Aspekt der Fastenzeit. Zu den „Iftar“-Treffen sind häufig auch Nicht-Muslime eingeladen. Yüksel: „Dort kommen die Kulturen zusammen.“ Das helfe dabei, sich untereinander besser zu verstehen.
Welche „Iftar“-Treffen gibt es in Esslingen?
Yüksel nennt die Moschee-Gemeinden als gute Anlaufstellen für das gemeinsame Fastenbrechen. In der Esslinger Ditib-Moschee finden beispielsweise am Freitag und Samstag, 14. und 15. März, Veranstaltungen statt. Auch das Projekt Yalla Salim lädt den März über immer mittwochs ab 17.30 Uhr zum Fastbrechen ins KuPa in der Stuttgarter Straße 2. Die dortigen Treffen richten sich an Menschen zwischen 14 und 27 Jahren. Ein „Iftar“ für alle – Kinder und Erwachsene, Muslime und Nicht-Muslime – richtet das Jugendhaus Nexus am 28. März ab 18 Uhr aus. Außerdem organisiert Yüksel selbst am Freitag, 21. März, in der Mensa der Herderschule ein „Iftar“-Treffen für Frauen. Sie sagt: „Wenn Frauen unter sich sind, kommen noch einmal andere Gespräche zustande.“ Es freue sie, wenn Frauen dabei ihr Essen teilen und sich entfalten könnten. (vs)