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Wie ein Knopfdruck zum Lebensretter wird

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Senioren in großer Not: Ein Sturz – und das Telefon ist weit weg. Der Hausnotruf kann helfen. Die Sozialstation Esslingen hat das Angebot von einem privaten Anbieter übernommen. Was die Strukturänderungen für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet.

 

Er wollte keine Kühlschränke am Nordpol verkaufen, scherzt Richard Malone mit hessisch-trockenem Humor. Nein, er habe den Menschen etwas anbieten wollen, das sie wirklich bräuchten. Und so gründete der heute 66-jährige Sozialbetriebswirt vor über 20 Jahren die Firma HuPS24 Hausnotruf und Pflegeergänzungsservice mit Sitz in Esslingen. Nun möchte sich Geschäftsführer Malone aber in den Ruhestand und ins Privatleben zurückziehen. Die Stiftung der Sozialstation Esslingen übernimmt.

Das ist der Klassiker: Ein Senior stürzt, bricht sich ein Bein und liegt hilflos in seiner Wohnung. Je länger er auf medizinische Versorgung warten müsse, desto schwieriger werde die Behandlung, weiß Richard Malone aus Erfahrung. In einer solch misslichen Lage könne der Hausnotruf für eine schnelle Hilfe sorgen. Etwa 3200 Menschen nehmen diese Dienstleistung durch sein bisheriges Unternehmen in Anspruch, zwischen 1400 und 1600 Einsätze haben die Mitarbeitenden durchschnittlich pro Jahr.

 

2004 hatte er sein Unternehmen gegründet und aufgebaut, doch nun wolle er kürzer treten und auch aus gesundheitlichen und Altersgründen sein Lebenswerk in jüngere Hände übergeben. Die Digitalisierung schreite zudem im Pflegebereich immer weiter voran, sagt Richard Malone. Und mit den virtuellen Neuerungen wolle er sich nicht mehr auseinandersetzen. Vor zwei Jahren hat er daher Gespräche mit der Stiftung der Sozialstation Esslingen aufgenommen. Sein Unternehmen sei ein langjähriger Partner dieser Einrichtung in der Urbanstraße. Man kenne sich, man vertraue sich, man könne sich aufeinander verlassen – und somit wisse er sein „Baby“ in guten Händen. Die Übernahme seines Haus- und Pflegenotrufanbieters durch die Stiftung der Sozialstation sei am Donnerstag, 2. Januar, in Kraft getreten.

 

Für die Kundinnen und Kunden werde sich durch die neue Struktur nichts ändern, versichert Johannes Sipple, Geschäftsführer der Sozialstation: „Wir haben die HuPS24 Haus- und Pflegenotruf gGmbH gegründet. Sie hat den Geschäftsbetrieb übernommen und wird ihn in gemeinnütziger Form weiterführen.“ Die Stiftung habe sich nach einer eingehenden Prüfung dazu entschieden, das Unternehmen zu kaufen. Ein Grund dafür seien auch strategische Überlegungen gewesen. Die Stiftung wolle nicht, dass der Haus- und Pflegenotruf von einem großen konkurrierenden Unternehmen übernommen werde. Und: „Wir sehen dieses Handlungsfeld als zusätzliches Standbein und sinnvolle Ergänzung unseres Angebotes neben der ambulanten Pflege in der Sozialstation Esslingen an“, sagt Johannes Sipple.

 

Der bisherige Stellvertreter des Inhabers Jeremias Müller kümmert sich gemeinsam mit Johannes Sipple um die Geschäftsleitung. Angebot und Preise sollen nach den Worten beider Männer stabil bleiben. Ein Hausnotruf koste in der Regel 47,40 Euro im Monat, die Krankenkassen könnten Teile der Kosten übernehmen, sagt Jeremias Müller. Die 36 Mitarbeitenden, die in Verwaltung, Technik und Pflege tätig sind, seien alle zu den bisherigen Konditionen übernommen worden. Man wolle auch mit den etwa 50 kooperierenden Partnerunternehmen weiterhin verlässlich zusammenarbeiten. Alle Kundinnen und Kunden seien bereits im Vorfeld mit einem Schreiben über die Strukturänderung informiert worden.

 

Zum Angebot seines bisherigen Unternehmens, so zählt Richard Malone auf, gehörten der Haus- und der Pflegenotruf. Außerdem gebe es den mobilen Notruf, der ausgelöst werde, wenn etwa ein an Demenz Leidender seinen gewohnten Bewegungsradius verlasse. Der Hausnotruf werde von Menschen bis hin zur Kreisgrenze zu Göppingen, in Baltmannsweiler, Esslingen, im Großraum Stuttgart, auf der Filderebene, in Denkendorf, Wernau, Wendlingen, Nürtingen, Sindelfingen oder in Bereichen von Waiblingen genutzt. (sw)