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Seite 3 Redaktion

Widerstand gegen Wohnungsbau auf Sportplatz wird größer

Foto: Roberto Bulgrin

Die Pläne der Stadt Esslingen, auf dem einstigen Sportgelände des VfL Post 150 Wohnungen zu bauen, haben einen weiteren Dämpfer erhalten. Die Ratsfraktion von FDP und Volt hat nun beantragt, die aktuellen Planungen zur Bebauung einzustellen.

 

Die Debatte über die Zukunft des VfL-Post-Geländes in der Esslinger Pliensauvorstadt nimmt Fahrt auf: Bislang schien es gesetzt, dass auf dem einstigen Sportplatz rund 150 Wohneinheiten entstehen sollen. Nun mehren sich die Stimmen, die das falsch finden.

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger laufen seit Jahren gegen die Pläne Sturm, der Bürgerausschuss hat sich gegen das Projekt positioniert. Zuletzt hatten WIR/Sportplätze erhalten und Grüne in einem gemeinsamen Antrag für den Gemeinderat gefordert, vorhandene Grünflächen wie Sportplätze nicht zu bebauen. Nun hat die FDP/Volt-Fraktion viele mit ihrem Antrag überrascht, die Planungen zur Bebauung des VfL-Post-Geländes einzustellen.

 

Anstelle der geplanten Bebauung soll die Stadt nach dem Willen von FDP/Volt „unter Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern sowie relevanten Akteuren vor Ort ein neues Nutzungskonzept für das Gelände entwickeln“. Die Stadträtinnen Rena Farquhar und Anita Maticevic erwarten die Erhaltung von Freiflächen für Sport und Freizeit und „die Prüfung einer Nutzung des Geländes als Erweiterungsfläche für den Schulbau, um die beengte Situation der Schulen in der Pliensauvorstadt zu entschärfen“. Die Stadt solle keinen Wohnungsbau auf dem VfL-Post-Gelände zulassen, da die Pliensauvorstadt erheblich durch Verdichtungen belastet sei. Die Ergebnisse einer Bürgerbeteiligung sowie erste Vorschläge für eine alternative Nutzung sollen dem Gemeinderat innerhalb von zehn Monaten vorgelegt werden.

 

Farquhar und Maticevic betonen, dass das Gelände eine der wenigen verbliebenen Freiflächen in einem stark verdichteten Stadtteil sei: „Die bisherigen Planungen zur Bebauung des Areals mit weiteren Wohnhäusern würden die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner zusätzlich belasten und wichtige Grün- und Freiflächen unwiederbringlich zerstören.“ Die Pliensauvorstadt trage mit geplanten Großprojekten wie auf dem Nürk- oder dem Roser-Areal „überproportional zur Schaffung von Wohnraum bei“. Dies werde zu weiterer Verdichtung und einer Belastung der Infrastruktur führen, besonders im Bildungs- und Freizeitbereich.

 

Von einem Stopp der Planungen erhoffen sich FDP und Volt einen Neuanfang, „der sich an den Bedürfnissen des Stadtteils orientiert“. Um ein nachhaltiges Konzept zu entwickeln, müssten die Bürger eingebunden werden. Ziel sei „eine verantwortungsvolle Stadtentwicklung, die den Fokus auf Bildung, Gemeinschaft und Lebensqualität legt“. Die Freiflächen müssten „klug und zum Wohle des Stadtteils“ genutzt werden.

Mit ihrer Haltung sehen sich FDP und Volt im Einklang mit dem Bürgerausschuss. Dessen Vorsitzender Andreas Jacobson hatte in der jüngsten Einwohnerversammlung erklärt: „Wir lehnen den vom Stadtplanungsamt entwickelten Bebauungsplan ab. Das ist das falsche Projekt, und dann noch am falschen Ort.“ Esslingen brauche neue Wohnungen, der Stadtteil habe dafür jedoch bereits sehr viel getan. Zudem sei das VfL-Post-Areal eine wichtige Frischluftschneise. „Dieses wertvolle Gelände darf nicht auch noch zubetoniert werden“, erklärte Jacobson. Oberbürgermeister Matthias Klopfer, der im OB-Wahlkampf Hoffnungen auf eine Abkehr von den Wohnungsbauplänen auf dem Gelände genährt hatte, konterte prompt: „Das ist das richtige Projekt am richtigen Ort.“ Die Stadt habe die ursprünglichen Pläne in seiner Amtszeit deutlich reduziert. „Wer nicht auf dem VfL-Post-Gelände bauen will, muss sagen, wo wir sonst verdichten können.“ (adi)