ANZEIGE
Kategorien
Seite 3 Redaktion

Großbaustelle neue Hochschule

Foto: Roberto Bulgrin

Weit fortgeschritten ist eine der faszinierendsten Großbaustellen in Esslingen: die neue Hochschule in Esslingen. Was ist fertig, was muss noch erledigt werden? 

Wer die neuen Hochschulgebäude in der Esslinger Weststadt noch mit Gerüst fotografieren möchte, muss sich beeilen: Es wird voraussichtlich noch im März abgebaut. Die Fassade mit Abertausenden von Klinkersteinen ist an vielen Stellen bereits fertig.

Simone Graf, die Leiterin des Bauprojektes, ist gerade vom Gerüst heruntergeklettert. „Technische Abnahme“, sagt sie. Eine Teilabnahme. Denn auch wenn noch überall auf dem fast 20 000 Quadratmeter großen Grundstück gewerkelt wird, ist es zumindest für Teile der Fassade an der Zeit, danach zu schauen, ob auch ordentlich gearbeitet wurde. Wenn das Gerüst erst einmal weg ist, ist es zu spät.

Auch wenn sich die Fertigstellung des Baus um einige Monate verzögert, weil eine der Firmen plötzlich ausgestiegen ist, fühlt sich Graf auf einem guten Weg. Sie ist sich sicher, dass auch dieses Problem gelöst wird, so wie für zahlreiche andere Probleme bereits Lösungen gefunden wurden. Die Coronazeit ist nur eines von vielen Beispielen, wenn auch ein herausragendes: 2020 ging es los mit den Tiefbauarbeiten für die Hochschule – im selben Jahr begann das Virus zu wüten. Materialknappheit, Kostensteigerungen, viele Krankheitstage, massive Einschränkungen allgemeiner Art – Graf wundert sich heute noch ein wenig darüber, wie die Baustelle dennoch weitergetrieben werden konnte.

Und nun erneut ein Problem: Ursprünglich sollten schon im Sommersemester 2026 die ersten Professorinnen und Professoren ihre Seminare und Vorlesungen geben. Jetzt wird das Wintersemester 2026/27 angepeilt. Das hat Konsequenzen: Die Projektplanung muss korrigiert werden, weil sich der gesamte Ablauf ändert. Und auch die Hochschule selbst muss ihre Pläne korrigieren. Zudem kosten der Verzug und die Neuplanung viel Geld – mehr als 30 Millionen Euro müssen aus der Reserve locker gemacht werden.

Was aber hat sich auf der Baustelle getan, seit sich unsere Zeitung vor knapp einem Jahr das letzte Mal dort umgeschaut hat? Das Offensichtliche: Damals waren viele Fensteröffnungen mit Plastik zugeklebt, weil die Fenster noch fehlten. So wurde das Innere behelfsmäßig geschützt, damit der Innenausbau voran gehen konnte. Inzwischen sieht man immer noch hier und da Folien, aber die Fenster sind eingebaut. Jetzt schützen die Folien das Glas vor Kratzern.

Im Innern ist ebenfalls einiges passiert. Auffällig sind die vielen Kabel. „Da bringt schon wieder jemand welche“, sagt Graf und zeigt auf einen Arbeiter. Es ist tatsächlich die reinste Kabelausstellung, die vor allem eines zeigt: Elektronik beherrscht unser Leben und eben auch diesen Ort. Noch ist vieles sichtbar, die Decken beispielsweise sind durchzogen von Kabeln. Irgendwann wird die Decke abgehängt, die Räume werden damit um etwa einen Meter niedriger. Viele der Arbeiten, die in dem Bau stecken und jetzt noch an allen Ecken und Enden sichtbar sind, werden dann nicht mehr erkennbar sein. Wie gehabt kommt der Strom dann aus der Steckdose – und sehr viel mehr muss man gar nicht wissen.

Doch nicht nur in der Decke, auf im Boden steckt vieles, das später unsichtbar ist. Beispielsweise windet sich in vielen Räumen schon die Fußbodenheizung durch den Boden, an manchen Stellen ist sie bereits verdeckt, an anderen wird die Verlegung gerade vorbereitet. Das Lüftungs- und Heizsystem ist ebenfalls weit vorangeschritten. Was man aber fast noch nirgendwo sieht, sind die Feinheiten, denn die kommen zuletzt: Anstriche, Fußbodenbeläge, Einrichtungsgegenstände. In den Hörsälen lässt sich ahnen, wie die mehrstufigen Sitzreihen aussehen könnten, aber noch sind sie nicht da. Und dort, wo eines Tages eine Dozentin oder ein Dozent steht, schauen bislang nur Kabel aus dem Boden – bereit, bei Gelegenheit an eine Sprechanlage angeschlossen zu werden.

Die Außenanlage ist in der Regel die letzte Etappe einer Baustelle. An einigen Stellen werden die Arbeiten aber bereits Ende März, Anfang April beginnen – zum Beispiel zwischen der Südseite des Gebäudekomplexes und der Bahnstrecke. Eine größere Außenanlage am westlichen Rand der Hochschule, wo Studierende und Hochschulangehörige künftig im Freien entspannen können, wird länger warten müssen: Hier wird zurzeit Baumaterial gelagert.

Auf dem neuen Campus werden Studierende der Fakultäten Wirtschaft und Technik, Informatik und Informationstechnik sowie Soziale Arbeit, Bildung und Pflege lernen und forschen. Zurzeit sind diese Fakultäten noch im Esslinger Norden auf der Flandernhöhe beheimatet. Dieser Standort schließt nach dem Umzug in den Esslinger Westen. Geplant wurde der Campus für 2000 Studierende und 250 Mitarbeitende. (jmf)