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Die Amicitia Esslingen zählt zu den kleineren Sportvereinen, doch in ihrer 50-jährigen Geschichte hat sie einiges bewegt. Aushängeschild der Vereinsarbeit ist das alljährliche inklusive Benefiz-Fußballturnier.
Mit ihren knapp 50 Mitgliedern zählt die Amicitia Esslingen zu den kleineren Sportvereinen der Stadt. Doch ihre Geschichte und ihr Profil sind bemerkenswert: Hervorgegangen aus einer Betriebssportgruppe des Esslinger Amtsgerichts, hat der Verein seit seiner Gründung vor 50 Jahren einiges bewegt. Vor allem das alljährliche Benefiz-Fußballturnier der Amicitia ist eine feste Größe im Esslinger Sportkalender, und sie setzt Zeichen. „Uns verbindet der Sport. Wir begegnen uns und anderen mit Fairness und Respekt“, betont der Gründungsvorsitzende Stefan Schlaegel, der sich auch mit 87 Jahren für die Amicitia engagiert und dem heutigen Vorsitzenden Michael Wechsler mit seinem Rat zur Seite steht.
Amicitia steht im Lateinischen für Freundschaft – ein Anspruch, der im Verein konsequent gelebt wird. „Alle unsere Mitglieder sind Sportsfreunde, manche zudem auch privat befreundet. In jedem Fall sind wir eine fröhliche, vielfältige und offene Gemeinschaft“, heißt es auf der Webseite. Und wer sich die Aktivitäten der Amicitia anschaut, kann nur staunen, was alles geleistet und bewegt wurde. „Wir sind zwar ein kleiner Verein, doch unser Vorteil ist: Bei uns geht es immer sehr familiär zu“, sagt Michael Wechsler.
Anfangs waren es vor allem Herren, die sich in lockerer Runde zum Kicken trafen. Doch schon bald kam eine Damen-Gymnastikgruppe hinzu. „Allen Aktiven gemein war die Lust am Blick über den sportlichen Hallenrand hinaus“, erinnert sich Anna Maria Burges, die nach Stefan Schlaegel und Klaus Hörner den Vereinsvorsitz übernahm. „Sie alle verband ein großes Interesse an allen möglichen Sportarten, nicht zuletzt an so genannten Randsportarten.“
Im April 2000 gründete sich unter dem Dach der Amicitia eine ambitionierte Radsportgruppe, die sich schon im folgenden Jahr zum ersten Bahntraining in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle traf. Die Leitung übernahm Karl Link, seines Zeichens Goldmedaillengewinner mit dem Bahn-Vierer bei Olympia 1964 in Tokio. Link war damals Leiter des Olympiastützpunkts Stuttgart, zu dem Stefan Schlaegel als Präsident des Württembergischen Landessportbunds Kontakte pflegte.
Die Radsportgruppe zählte lange Zeit zu den Aktivposten im Verein: Einige ihrer Mitglieder engagierten sich 2003 auch im Organisationsteam der Bahn-WM an, 2007 waren Volunteers aus den Reihen der Amicitia bei der Straßen-Rad-WM in Stuttgart im Einsatz. Als die Radbahn in der Schleyerhalle später abgebaut wurde, war es wiederum Stefan Schlaegel, der eine andere Lösung fand: Dank seiner Vermittlung konnte die Radsportgruppe der Amicitia die Radbahn in Augsburg nutzen. „Noch über einen längeren Zeitraum wurden in Abständen immer wieder Fahrten zum Bahnradfahren nach Augsburg gemacht“, erinnert sich Anna Maria Burges.
Wer an die Amicitia Esslingen denkt, der kommt am alljährlichen Benefiz-Fußballturnier nicht vorbei, die seit 1979 das Vereinsprofil wesentlich mitprägen – nur in der Coronazeit musste das Turnier dreimal ausfallen. Und auch hier ließ Stefan Schlaegel seine guten Kontakte spielen und band den Lions-Club Esslingen in die Organisation ein. „Lange bevor der Begriff der Inklusion in Mode kam, hat unser Verein ein inklusives Fußballturnier auf den Weg gebracht“, sagt Michael Wechsler, der seit 2022 die Amicitia führt.
Spielerinnen und Spieler stehen ungeachtet ihrer jeweiligen Fähigkeiten gemeinsam auf dem Platz. Manche sind stärker, andere sind weniger stark behindert. „Uns geht es darum, ein Zeichen zu setzen, dass Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft gleichberechtigt dazugehören“, betont Stefan Schlaegel. Dass die Gehörlosen-Sportgemeinschaft Stuttgart und die Lebenshilfe Esslingen mit von der Partie sind, ist Teil des Konzepts.
Das Fußballturnier der Amicitia hat seit seiner Gründung 1979 zahlreichen Sportlerinnen und Sportlern die Möglichkeit geboten, Kontakte mit Menschen mit Handicap zu pflegen und dadurch Berührungsängste abzubauen. Und es hat über die Jahre einen sechsstelligen Spendenbetrag für verschiedene soziale Zwecke mobilisiert. Ausgespielt wird ein Wanderpokal, der nach dem heutigen Ehrenvorsitzenden Stefan Schlaegel benannt ist. Prominente wie die frühere Fernsehmoderatorin Sigi Harreis oder die einstigen VfB- und Nationalspieler Bernd und Karlheinz Förster beehrten die Hobby-Kickerinnen und -Kicker mit ihren Besuchen. „Unser Ziel ist es, durch das Turnier den Teamgeist zu stärken und allen Teilnehmenden ein unvergessliches Erlebnis zu bieten“, resümiert Anna Maria Burges. „Viele haben uns bestätigt, dass die besondere Atmosphäre auf und neben dem Platz ausstrahlt und noch lange nachwirkt. So erfüllen wir unsere Vereinsgrundsätze ‚Sport verbindet’ und ‚Fair geht vor’ immer wieder mit Leben.“ (adi)