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Weil die Finanzierung ausgelaufen ist, gibt es momentan keine Assistenzen für Kinder mit Behinderung. Ohne Unterstützung können die Kinder aber nicht an Ferienangeboten teilnehmen. Das erzürnt die Eltern.
Die Eltern von rund 45 mehrfach behinderten Kinder im Kreis Esslingen sind in großer Sorge. Weil der Pool an Assistenzkräften mangels Finanzierung weggefallen ist, sehen sie die Ferienangebote ihrer Kinder gefährdet. Nun will der Stadtjugendring Esslingen doch noch in die Bresche springen.
„Ohne Assistenz können die meisten Kinder mit Behinderung nicht an den Ferienprogrammen teilnehmen“, heißt es in einem Brief, den Judith Kuhn vom Verein Rückenwind und Tanja Klotz, Elternbeiratsvorsitzende der Rohräckerschule, an Michael Köber, den Sachgebietsleiter für Behindertenhilfe im Landratsamt, sowie weitere Akteure von Kreis- (KJR) und Stadtjugendring (SJR) verschickt hat.
Und in dem Brief heißt es weiter: „Die Kinder sind wieder sozial isoliert, und gleichzeitig können pflegende Eltern bei dieser unzuverlässigen Betreuungssituation keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.“
Aufgeschreckt wurden die Eltern von einem Schreiben, in dem der Kreisjugendring Ende 2024 alle Betroffenen darüber informiert hatte, dass Eltern behinderter Kinder die Assistenz ihrer Kinder fortan selber suchen müssen. Daraufhin habe bei den Eltern völliges Unverständnis geherrscht, „warum der Stadtjugendring als ein großer Träger eine Assistenzsuche nicht weiter anbietet“.
„Auf diese Weise verhindert man Inklusion sehr effektiv“, konterte der Verein Rückenwind, da pflegende Eltern, die schon über die Maßen belastet sind, nun auch noch selbst Assistenzkräfte für die Ferienangebote ihrer Kinder suchen gehen müssten. „Dies ist gegenüber der Anmeldung gesunder Kinder, die in der Regel in wenigen Klicks erledigt ist, eine Mehrbelastung und Diskriminierung“, beschreibt die dreifache Mutter Judith Kuhn ihre Erfahrung.
Jahrelang hat es zumindest einen kleinen Assistenzpool beim Kreisjugendring Esslingen gegeben, der nun aber aufgelöst worden sei, wie sie berichtet. Weil betroffenen Familien klar sei, dass die Suche nach einer Assistenz schwierig ist, sei zur Unterstützung der „Rahmenkonzeption“ immerhin eine volle Stelle im Landkreis geschaffen worden, die Ferienanbieter beraten und unterstützen sollte, um Assistenzkräfte zu finden. In dem Brief fordern die Eltern: „Finden Sie eine klar geregelte Zuständigkeit für die Suche nach Assistenzen (und auch für die Finanzierung der Suche), und schieben Sie das nicht auf die Schultern der Eltern ab.“
Mit der Rahmenkonzeption inklusive Ferienangebote ist ein Papier gemeint, das laut Kuhn in einer mühevollen mehrjährigen Arbeitsphase und unter ehrenamtlicher Mitwirkung von Betroffenen auch aus ihrem Verein im Kreis Esslingen erstellt wurde. Auf Basis der Konzeption will der Kreis den Zugang zu Ferienangeboten für Kinder und Jugendliche mit Behinderung verbessern. „Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung sind selbstverständlicher Teil in den Ferienangeboten“ und „Der Zugang für Kinder und Jugendliche mit Behinderung wird erleichtert und als Selbstverständlichkeit praktiziert“, heißt es beispielsweise in der Konzeption.
Sauer stößt den Eltern allerdings auf, dass es entgegen der Ankündigung in der Rahmenkonzeption eine Altersbegrenzung gibt. Entgegen der Ankündigung, wonach Kinder mit Behinderung bis zum Ende der Schulzeit teilnehmen dürften, sei in den nun definierten Bedingungen zu lesen, diese Kinder könnten nur bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres dabei sein.
Außerdem kritisiert Judith Kuhn vom Verein Rückenwind, es werde deutlich, dass die Eltern das volle Risiko mit der Assistenz tragen. Denn die Eltern müssten die Assistenz auch zahlen, wenn das Kind beispielsweise erkrankt, was bei Kindern mit komplexen Behinderungen einfach schnell passieren könne. Das seien dann immense Beträge, und dieses Risiko einzugehen, müsse man sich schon trauen.
Damit Kinder und Jugendliche mit Behinderung tatsächlich inklusive Ferienangebote nutzen können, sollen lokale und regionale Assistenzpools und eine inklusive Ausrichtung der Angebote umgesetzt werden – so ist es in den Handlungsempfehlungen zu lesen. Allerdings zeigt sich, dass Inklusionsarbeit meist projektfinanziert ist und Geldquellen deshalb immer wieder neu gefunden werden müssen. (cm)