Foto: FDP ES
Esslingen setzt dem Verlierer ein Denkmal – die Frau darf weiter Zwiebeln verkaufen
Man muss Esslingen für seinen feinen Sinn für Ironie bewundern. Da besitzt die Stadt eine jahrhundertealte Sage, in deren Mittelpunkt eine mutige, schlagfertige Marktfrau steht. Eine Frau, die sich vom Teufel nicht einschüchtern lässt, ihn durchschaut, ihm die Stirn bietet – und gewinnt.
Und wem setzen wir ein Denkmal? Natürlich dem Teufel.
Man könnte es kaum schöner erfinden. Die Frau vollbringt die Heldentat, der Mann mit Hörnern bekommt die Statue. Willkommen im Jahr 2026.
Dabei verdanken wir Esslinger sogar unseren Spitznamen „Zwieblinger“ jener Marktfrau. Ohne ihren Mut, ihre Schlagfertigkeit und ihre Zwiebel gäbe es die Geschichte überhaupt nicht. Der Teufel spielt darin eigentlich eine eher überschaubare Rolle: Er kommt, versucht eine Frau zu überlisten, scheitert und zieht gedemütigt ab.
Offenbar reicht das für einen prominenten Platz im Stadtbild.
Die Marktfrau hingegen? Nun ja. Frauen sind es historisch gewohnt, Großes zu leisten und anschließend in der Fußnote zu verschwinden. Warum sollte ausgerechnet Esslingen mit dieser schönen Tradition brechen?
Vielleicht sollten wir die Geschichte deshalb einmal richtig erzählen: Nicht der Teufel ist die faszinierende Figur dieser Sage. Es ist die unerschrockene Frau, die ihm entgegentritt.
Wenn wir also schon mit einer Statue an die Zwiebelsage erinnern wollen, dann wäre es höchste Zeit, der eigentlichen Heldin ein Gesicht zu geben.
Der Teufel hat die Geschichte verloren. Jetzt gewinnt er wenigstens den Denkmalsockel.
Wir finden: Es reicht.
Je suis Marktfrau.

