Foto: Patrick Müller
In einer Folge von 14 Artikeln haben wir Ihnen in den zurückliegenden Monaten Werk, Komponist und Ausführende vorgestellt. Zwei Tage vor der Aufführung in der Esslinger Frauenkirche hat nun die musikalische Leiterin Sabine Layer das Wort:
Die Zeit für Konzerte ist eine andere als noch vor fünf Jahren. Für die einen ist Kultur zum Luxus geworden, für die anderen zum Notfallkoffer für Ernstfälle. Einen solchen „Ernstfall“ beschwören wir seit Jahrzehnten, und können ihn doch nicht heilen. Ich denke hierbei an unsere Umwelt, an die Natur, an die „Schöpfung“. Aber was kann Musik bewirken, was kann sie ausrichten? Wohlgemerkt: heilen, nicht belehren!
Als Joseph Haydn Ende des 18. Jhdt. sein Oratorium „Die Schöpfung“ schrieb, gab es keine Kondensstreifen mit ihren klimaschädlichen Auswirkungen am Himmel, es gab keine Schwermetalle in Düngemitteln und schon gar keine allgegenwärtigen PFAS. Die Schöpfung war zum größten Teil so heil, wie das Buch Genesis sie beschrieb. Und diejenigen, die sie sich „untertan machen“ wollten, mussten die bittere Erfahrung machen, dass „untertan machen“ sich leider nicht mehr „ungetan machen“ lässt. „Und schon gar nicht mit Musik“, werden hämische Stimmen jetzt bemerken! Oder doch?
Ein Musikwerk, das wie Haydns „Schöpfung“ die Schönheit und die Einmaligkeit unserer Welt beschreibt, besingt und preist, holt uns für einen Moment dieses klare und ungebrochene kindliche Denken zurück, das wir einst als Eintrittskarte zur Konsumwelt abgeben mussten. Haydns Musik weckt in uns die Sehnsucht wieder und schenkt uns Sensibilität für unseren Beitrag zu einer heile(re)n Schöpfung.
Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ am 21. Juni um 19 Uhr in der Frauenkirche Esslingen

