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Philharmonischer Chor Esslingen

Die Schöpfung – die Aufführung

Foto: Patrick Müller

Wenn Chor, Orchester, Solisten und Dirigentin so strahlen, dann erübrigt sich die Frage, ob Haydns „Schöpfung“ am 21. Juni in der Frauenkirche Esslingen ebenso gelungen war wie ihre erste öffentliche Aufführung 1799 im Burgtheater Wien. Kurz nach dem Schlussbild erhob sich das Publikum, weil es wieder einmal das Gefühl hatte, bei einer unvergesslichen Aufführung des Philharmonischen Chores dabei gewesen zu sein. Aber was ist es, was diese Konzerte zu „Inszenierungen eines Werkes“ macht? 

Da ist zunächst einmal die emotionale Werknähe, angefangen bei der Einstudierung des Chores und der Solokorrepetition. Gastsänger ohne den nötigen musikhistorischen und philosophischen Background sind chancenlos. „Ich möchte vom ersten Ton an, den ich einstudiere, dass alle die Musik liebhaben.“ Bei „L‘ Aurore“ hat´s bis zum zweiten Ton gedauert, aber dann wurde die Empathie immer stärker. Wenn drei hochsensible Solisten wie Hannah Gries, Philipp Nicklaus und Thomas Scharr eine Weltklasse-Leistung abliefern, dann sind dafür mehrere Faktoren verantwortlich: Ein perfekter Chor als Rückgrat fürs gesamte „time up“; Sängerinnen und Sänger, die in der Lage sind, Ereignisse zu strukturieren und ihnen einen Sinn zu verleihen. Gute Laienmusik beginnt im Kopf, nicht in den Stimmbändern. Und – wie gesagt – mit der Liebe zur Musik. 

Wie vermittelt man all das einem Orchester, mit dem man nur eine gemeinsame Probe hat? Mit einer klaren Vorstellung vom Stück und einer perfekten Organisation der Probe! Das Ergebnis: makellose Bläsersoli und – was für ein Streicherklang! Sabine Layers Schachzug, den ungeliebten 3. Schöpfungsteil Ravels „Sonnenaufgang“ zu opfern, riss am Ende alle mit. Bis zum letzten Ton!