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Ein weiterer Punkt im Februar waren Kritikpunkte an der Friedens-Denkschrift der EKD, weil gerade diese Punkte Friedensarbeit herausfordern: Es fehlte eine Analyse der Ursachen von Gewalt und damit auch von Möglichkeiten der Bearbeitung und Überwindung dieser Ursachen anzuregen. Sie verzichtet auf die Darstellung positiver Ansätze von christlichem Pazifismus, von Gewaltlosigkeit, gewaltfreier Kommunikation und gewaltfreien Widerstands. Sie behauptet – ohne Beweis – dass diese Ansätze nicht erfolgreich sind. Dabei zeigt eine Studie, dass nicht gewaltsame Aufstände etwa doppelt so oft Erfolg gehabt haben, wie gewaltsame. Gewaltfreiheit war nach heutigem Kenntnisstand der Weltgeschichte stets erfolgreicher als gewalttätige und militärisch- kriegerische Auseinandersetzungen. Bedenklich ist heute die weitgehende Ausblendung eines dialogorientiert-pazifistischen Diskurses im Umgang mit den aktuellen Kriegen; auch deshalb, weil zu häufig behauptet wird, dass pazifistische Zugänge per se naiv seien und erst beweisen müssten, dass sie erfolgreich seien. Auf die Einforderung dieser Beweisführung wird bei militärischen Vorgehensweisen in der Regel verzichtet. Dies ist deshalb erstaunlich, weil das Scheitern militärischer Aktivitäten im Falle fragiler Staaten oder einer Rückkehr zu einem verschlimmerten Vorher der Regelfall ist. Die Denkschrift verzichtet darauf, die Bedeutung von Menschenwürde, allgemeinen Menschenrechten und der Stärkung des Völkerrechts und damit auch der Rolle der UN zu betonen und zu bestärken. Da liegt der Schwerpunkt des Friedensbündnisses deutlich anders auf der Wertschätzung der UN-Charta. So hat das Friedensbündnis klare Aufgaben in diesem Jahr vor sich.

