Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
Die 19-jährige Raheel Umar hat als Pfegeschülerin im Hospiz Esslingen prägende Erfahrungen gemacht. Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau hat sie einige Wochen dort gearbeitet. Im Hospiz habe man – anders als im hektischen Klinikalltag – viel Zeit für die Schwerstkranken und Sterbenden, die nicht Patienten sondern Gäste genannt werden. „Man richtet sich ganz nach deren Bedürfnissen und ich konnte mich auch mal eine Stunde zu einem Gast ans Bett setzen.“ Sie selbst hat viele beglückende Momente erlebt und wahrgenommen, wie sich das Befinden mancher Gäste im Hospiz verbessert. Raheel Umar erzählt von einem Mann, der kaum aus seinem Zimmer kam und selten redete. „Plötzlich war er ganz anders, kam zu den anderen an den Tisch in die Wohnküche, hat sich mit uns unterhalten.“ Da er selbst schon Afrika bereist hatte, wollte er von der jungen Frau, deren Familie aus Ghana stammt, Bilder von dort sehen. „Dann unterhielten wir uns immer über Afrika, aber auch alles mögliche andere.“
Als Muslima und schwarze Frau erlebt Raheel Umar im Alltag häufig Anfeindungen. „Davor habe sie in jeder neuen Umgebung Angst. Im Hospiz jedoch spielten Hautfarbe und Religion weder bei den Gästen noch bei den Mitarbeitenden eine Rolle. „Hier bekomme ich sogar Zeit für meine Gebete“, freut sie sich. „Ich wurde hier von allen so liebevoll und herzlich willkommen geheißen“, schwärmt sie von der besonderen Atmosphäre.
Ihr Blick auf den Tod hat sich gewandelt: „Ich habe erlebt, dass Menschen hier sehr friedlich sterben können. Sie sind viel entspannter als im Krankenhaus.“ Auch dass die Angehörigen zu jeder Zeit im Haus sein dürfen, gefällt ihr.