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Philharmonischer Chor Esslingen

Haydnspaß mit Papa

Foto: Ludwig Guttenbrunn (1770)

„Papa Haydn“, das klingt nach einem gemütlichen Familienvater, der Joseph Haydn überhaupt nicht war – weder gemütlich noch Familienvater. Sein einziger Sohn, der im prächtigen Schloss des Fürsten Esterhazy am Neusiedler See das Licht der Welt erblickte, stammte von der italienischen Sängerin Luigia Polzelli, die ebenso unglücklich verheiratet war wie der 28 Jahre ältere Kapellmeister, der sie ans fürstliche Privattheater verpflichtet hatte. Haydn hat seinen Sohn nie offiziell anerkannt, aber er hat zeitlebens für ihn gesorgt. Da war er wirklich fürsorglicher Papa. Nicht ohne Grund hat er das berühmte Gedicht „Ein einzig böses Weib lebt höchstens in der Welt“ von Gotthold Ephraim Lessing als Kanon auf seine legale Ehefrau Anna Maria komponiert. „Streitsüchtig und bigott“ soll sie gewesen sein, die Tochter eines Perückenmachers. Haydn selbst war das gerade Gegenteil.

Seine musikalischen Späße prägten den Begriff „Haydnspaß“, von dem nicht jeder weiß, woher er kommt. Die „Sinfonie mit dem Paukenschlag“ gehört auch heute noch im Musikunterricht der Gymnasien zum festen klassischen Repertoire. Nicht weniger bekannt ist die Abschiedssinfonie, in deren Finale ein Musiker nach dem anderen die Bühne verlässt. Oder die Sinfonie „La Poule“ (Die Henne) mit den gackernden Holzbläsersoli im ersten Satz. Wie sehr Haydn den musikalischen Witz auch in seinen Oratorien liebte, haben wir bereits in einem der letzten ZWIEBEL-Beiträge erwähnt, als es um die Erschaffung der Tiere ging. „Vom Sonnenaufgang bis zur Feuersbrunst: er hatte eine diebische Freude am Malen mit Musik und seine besten Einfälle der Natur abgelauscht.“ Manchmal durfte es sogar ein falscher Ton in einem Streichtrio sein.