Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
„Musik öffnet Räume am Übergang zwischen Leben und Tod“, davon ist Katja Müller überzeugt. Die 51-Jährige kommt einmal pro Woche ins Hospiz, um dort mit den Gästen oder für sie zu musizieren. “Ich weiß ich nie, was mich erwartet.“ Doch sie möge es, im Augenblick zu agieren. „Hier geht es nur darum, Menschen mit den Mitteln der Musik zu begleiten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.“ Dafür hat die Musiktherapeutin eine ganze Menge Instrumente zur Hand: Auf ihrem Rollwagen finden sich neben Gitarre und Altflöte diverse Klangschalen, eine sogenannte Tongue Drum (Zungentrommel), eine Kalimba, weitere Trommeln und ein Monochord genanntes Saiteninstrument, sowie etliche Liederbücher.
Viele Hospizgäste wünschen sich Lieder, die mit der eigenen Biografie verknüpft sind und schöne Erinnerungen wecken: „Jailhouse Rock“ oder die Comedian Harmonists, „House oft he Rising Sun“ oder Songs von den Scorpions hat sie schon gespielt, aber auch Kinder-, Volks- oder Kirchenlieder sowie Mozart und Bach sind beliebt. „Ich versuche immer zu spüren, was der Einzelne braucht“, erklärt sie. Mit Musik könne man nicht nur Freude fördern, sondern helfen, schwere Gefühle wie Angst oder Unsicherheit besser zu verarbeiten. Und sie kann dazu beitragen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Arbeit mit den Menschen im Hospiz empfindet Katja Müller auch für sich als wertvoll – nicht nur wegen der besonderen Atmosphäre im Team: „Es ist ein Privileg, Menschen am Übergang zwischen Leben und Tod zu begleiten. Diese Menschen geben mir sehr viel.“ Ihr Verhältnis zum Leben habe sich dadurch verändert. „Ich bin viel mehr im Hier und Jetzt und schaue anders auf das Leben.“ In vielem sei sie gelassener geworden.

