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Wenn Sie Tatort-Fan sind und Fernsehkrimis lieben, oder gerne die Klassiker von Edgar Wallace bis zum Weißen Hai, Harry Potter, Herr der Ringe etc. streamen, dann wissen Sie natürlich Bescheid, wo „special effects“ platziert werden müssen: nie nach dem eigentlichen Geschehen, sondern immer auf dem Weg dahin, also unbedingt davor. Die Musik erzeugt die Spannung, nicht der Schlag mit dem stumpfen Gegenstand oder der Vulkanausbruch.
Mediale Hilfsmittel hatte der „Filmkomponist Joseph Haydn“ nicht. Sein Film war in unserem Fall das Oratorium „Die Schöpfung“, also noch nicht einmal eine Oper mit Bühnenaction. Keine Elektronik, keine Bühnenbeleuchtung und keine Szene. Dennoch beginnt sofort nach dem ersten einleitenden Paukenschlag ein Film, der sein Publikum im wahrsten Sinne des Wortes „durch Nacht zum Licht“ führt, Musik als „Spiegel des Utopischen“, wie Ernst Bloch es formuliert hat. Chaos in Form umherirrender Harmonik und Melodik bis an den Rand zur Atonalität, vom allerersten Unisonoton „C“, noch ohne Form und ohne Tonart, über zahllose Orchestermodulationen von C-moll bis zum strahlenden C-Dur mit Solist, Chor und Orchester: „und es ward Licht“. Ein wahrhaft gigantischer Film, der sieben Minuten lang im Kopf der Zuhörer abläuft.
Man darf nicht vergessen, dass dieser akustische Film bei seiner Uraufführung mindestens fünf- bis zehnmal so stark auf seine Zuhörer wirkte, wie er von unserem Gehör wahrgenommen wird. Was immer im Folgenden geschieht und wovon gesungen wird, stets bereitet der orchestrale „Soundtrack“ die Ereignisse vor: der stolze Adler, das Aufsteigen der Lerche, das Girren des Taubenpaars – der Komponist wechselt immer wieder zum Klangprogrammatiker der Genesis. Besonders die Tierwelt hat es dem Arrangeur Haydn angetan: der brüllende Löwe, der gelenkige Tiger, der schnelle Hirsch, das Heer der Insekten und das sich in chromatischen Linien windende Gewürm. Erleben Sie dieses Dschungelcamp anno 1798 am 21. Juni 2026 in der Frauenkirche ab 19 Uhr!

