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Philharmonischer Chor Esslingen

Die Sache mit dem doppelten Sonnenaufgang

Foto: Caroline Lang/pixelio.de

Dass Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ mit dem Schlusschor des 2. Teils „Vollendet ist das große Werk“ noch nicht zu Ende ist, muss man nicht wissen, man erfährt es spätestens, wenn Teil 3 beginnt. Aber dann ist es schon zu spät; denn man befindet sich bereits im „Paradies“. Nicht in der gleichnamigen schwäbischen Gaststätte in Göppingen, sondern bei dem jungen Paar Adam und Eva im „Garten Eden“. Das ist die biblische Bezeichnung für das Paradies, welches Gott für den Menschen geschaffen hat.

Vielleicht haben Sie mal im Prado in Madrid dieses berühmte Paradies-Triptychon vom Garten Eden gesehen, wie ihn Hieronymus Bosch vor 500 Jahren gemalt hat. Ganz so spannend ist es nicht, was sich Adam und Eva zu singen haben: Heile Welt eben. Das Bild mit dem Titel „Der Garten der Lüste“ deutet mehr Richtung „Dschungelcamp“. Aber der Rasen ist so gepflegt wie Haydns Musik. Man denkt sofort an Golfspieler mit Musikverstand – gibt´s auch!

Das Haydn´sche Paradies dauert knapp eine halbe Stunde, die der Schöpfung nichts wirklich Wichtiges hinzuzufügen hat – gesungener Beziehungstalk der beiden Zweibeiner eben. Als Dirigent kann man da schon auf die Idee kommen darauf zu verzichten und mit dem o.g. Schlusschor Schluss zu machen. Eine noch bessere Idee hatte Sabine Layer, die musikalische Leiterin des Philharmonischen Chores. Sie erinnerte sich an einen ganz besonderen Sonnenaufgang, der vor rund 120 Jahren in die Musikgeschichte eingegangen ist: Maurice Ravels Komposition L’Aurore (Morgendämmerung). Er wird sich am 21. Juni 2026 anschließen an die große Chorfuge am Ende von Teil 2. Und danach gibt’s den „finalfinalen“ Schlusschor von Teil 3: Singt dem Herren alle Stimmen!